Über die Gefahren von Pubertätsblockern

Michael K. Laidlaw

13. Januar 2020

Der US-amerikanische Arzt, Internist und Endokrinologe Dr. Michael Laidlaw warnt in diesem Artikel eindringlich vor der Gabe von Pubertätsblockern bei Kindern mit Geschlechtsdysphorie und begründet dies ausführlich.

Die [US-amerikanische] Pediatric Endocrine Society (PES, „Pädiatrische Endokrinologie-Gesellschaft“) hat kürzlich eine Stellungnahme verfasst, in der es heißt: Die Auswirkungen von Pubertätsblockern, die eine normale Pubertätsentwicklung stoppen, sind reversibel. Hat die FDA[1] festgestellt, dass es wissenschaftliche Beweise gibt, die diese Behauptung bestätigen können? Gibt es methodisch gründliche Langzeitstudien, die sich mit dieser Frage befassen? Ist ein soziales Leben in der Geschlechtsrolle des anderen Geschlechts wirklich harmlos? Ist es ethisch zu verantworten, dieses medizinische Experiment mit Kindern weiterzuführen? Die Antwort auf alle diese Fragen ist: Nein.

Ist irgendetwas Natürliches daran, die normale Pubertätsentwicklung zu stoppen? Würde man das normale Auge eines Kindes am Wachstum hindern, um ein winziges Auge in einem größer werdenden Kopf zu bekommen? Würde man das Wachsen der Gliedmaßen bei Kindern stoppen, so dass der Torso größer wird, Arme und Beine aber im Wachstum zurückbleiben? Das hört sich grotesk an, und das ist es auch. Genauso ist es aber in vielerlei Hinsicht mit dem fortlaufenden Experiment, die normale Pubertätsentwicklung zu stoppen.

Von großem öffentlichen Interesse ist derzeit ein Sorgerechtsstreit in Texas,[2] in dem eine Mutter sich dafür einsetzt, dass ihr siebenjähriger Sohn James einen Geschlechtswechsel zu einem Mädchen namens Luna vollzieht – gegen den Willen des Vaters. Der Fall hat die Fragen über Geschlechtswechsel [transition] im Kindesalter und die Gabe von Pubertätsblockern in die Öffentlichkeit gebracht; der normale Bürger, die gewählten Angeordneten und Menschen in der ganzen Welt sind aufmerksam geworden. Viel weniger bekannt wurde, dass eine solche Behandlung mit Pubertätsblockern vom medizinischen Establishment unterstützt wird. Berufsverbände fördern derzeit diese unerprobten, experimentellen Behandlungen, als seien sie solide und evidenzbasiert.

Etwa zwei Wochen nachdem die bedrängende Situation von James international bekannt wurde, hat Ende Oktober 2019 die Pediatric Endocrine Society eine Stellungnahme verfasst über die medizinische Behandlung von Kindern, die sich in ihrem Körper als Junge oder Mädchen unwohl fühlen.[3] Darin schreibt die Organisation, dass die Auswirkungen der Pubertätsblocker reversibel seien. Andere Organisationen wie etwa die „Amerikanische Medizinervereinigung“ (AMA) tragen dazu bei, dass Kinder diese schädlichen Medikamente bekommen, indem sie gesetzliche Verbote von Therapieangeboten unterstützen,[4] mit denen Kindern aber geholfen werden könnte, sich in ihrem natürlichen, biologisch gegebenen Körper wohlzufühlen.

Wissen wir denn mit Sicherheit, dass alle Auswirkungen der Pubertätsblocker, eingesetzt um eine ansonsten normale Pubertätsentwicklung zu stoppen, vollständig reversibel sind?

Hat die FDA gesagt, dass es wissenschaftliche Belege gibt, die eine solche Anwendung absichern? Gibt es methodisch gründliche Langzeitstudien, die sich mit dieser Frage beschäftigen? Ist das soziale Leben im anderen Geschlecht wirklich harmlos und unbedenklich? Ist es ethisch vertretbar, dieses Experiment mit Kindern weiter zu verfolgen?[5] Die Antwort auf alle diese Fragen ist: Nein.

Ein dringendes Problem des Gesundheitswesens

Die Pubertät ist mehr als nur die Entwicklung und Reifung der Genitalien. Die Pubertät ist eine entscheidende Phase für das Wachstum der Knochen, für Wachstum und Entwicklung des Beckens, für die Entwicklung des Gehirns und die psychosoziale Entwicklung. Alle diese Entwicklungsprozesse werden durch Pubertätsblocker nachteilig beeinflusst.[6] Studien zeigen[7], dass die Auswirkung von Pubertätsblockern auf die Hypophyse (Hirnanhangsdrüse) nicht unmittelbar rückgängig zu machen ist.[8] Erst ein Jahr oder noch später nach Absetzen der Pubertätsblocker normalisieren sich die Hormonspiegel wieder, wodurch die hinausgeschobene Pubertätsentwicklung weiter verzögert wird. Auch wenn die Studien dazu noch begrenzt sind, die Daten zeigen: Die allermeisten Adoleszenten, die Pubertätsblocker erhalten, entscheiden sich, nicht mehr zurückzugehen, sondern den einmal eingeschlagenen Weg weiterzugehen: Sie nehmen gegengeschlechtliche Hormone und setzen sich den chirurgischen, sterilisierenden Eingriffen aus. Das steht im deutlichen Gegensatz zu den Erfahrungen derjenigen Kinder, die eine Geschlechtsdysphorie haben, die Pubertät aber normal durchlaufen dürfen: Die große Mehrheit von ihnen gibt im Lauf ihrer Entwicklung die Identifizierung mit dem anderen Geschlecht auf.[9]

Hier geht es um ein dringendes Problem unseres Gesundheitswesens. In den Vereinigten Staaten gibt es jetzt mindestens 65 Gender-Clinics.[10] In 2007 gab es nur eine. Bis zu drei Prozent der Schulkinder identifizieren sich als transgender.[11] In Großbritannien hat die Tavistock Gender-Clinic innerhalb des letzten Jahrzehnts eine Zunahme der Überweisungen bei den Mädchen von mehr als 5.000 Prozent erlebt.[12]

Der Kontext dieses Artikels ist die ständig zunehmende Medikalisierung „geschlechts-nonkonformer“ Kinder und Jugendlichen. Im Folgenden wird ausführlich beschrieben, wie Pubertätsblocker wirken. Um zunächst die normale Funktion der Hypophyse (Hirnanhangsdrüse) zu verstehen, beginne ich mit einer Analogie.

Der Mechanismus der Signalweitergabe

Die Hypophyse ist eine kleine, aber außerordentlich wichtige Drüse, die an der Basis des Gehirns, hinter den Augen, sitzt. Man nennt sie manchmal “Meister-Drüse”, denn andere Drüsen werden von ihr gesteuert, dazu gehören die Keimdrüsen (Geschlechtsdrüsen), beim Mann also die Hoden, bei der Frau die Ovarien (Eierstöcke). Um zu verstehen, wie das System funktioniert, stelle man sich folgende Analogie vor:

Es geht um ein Paketlieferungssystem. Im zentralen Managementbüro wird beschlossen, ein Paket zu verschicken. Der Manager läuft die Treppe hinunter ins Kurierbüro, um die Nachricht dort abzugeben. Im Kurierbüro wird sie aufgenommen, jemand schreibt einen neuen Bescheid und übergibt ihn dem Botenjungen. Der Botenjunge gibt den Bescheid persönlich in einem Warenhaus ab. Wenn der Bescheid dort aufgenommen ist, bringt ein Fahrer das Paket an seinen Zielort.

Im Körper liegt das zentrale Managementbüro im Hypothalamus. Von dort wird ein Signal (das GnRH-Hormon) an das Kurierbüro, die Hypophyse, gegeben. Im Kurierbüro wird ein neuer Bescheid (Lutropin oder LH) verfasst, der über das Blut an die Keimdrüsen weitergegeben wird. Wenn diese den Bescheid erhalten haben, stellen sie die Geschlechtshormone (Sexualhormone) her, die dann zu den Zielorten gebracht werden (wie der Fahrer sein Paket bringt). Beim Mann schütten die Hoden Testosteron aus, bei der Frau wird Östrogen hergestellt. An den Zielorten sorgen die Sexualhormone für den normalen Pubertätsverlauf.

Wie Lupron die Pubertät blockiert

Um zu verstehen, was passiert, wenn ein Pubertätsblocker wie Lupron gegeben wird, möchte ich noch ein weiteres Bild gebrauchen. Gehen wir davon aus, dass es viele identische Büromanager gibt. Jeder Büromanager braucht einen Schlüssel, um seine Nachricht an viele, identische Kurierbüros, die alle zugeschlossen sind, abzugeben. Sagen wir, ursprünglich gibt es eintausend zugeschlossene Kurierbüros. Dann steckt jemand ein fremdes Objekt in 999 der Schlösser und blockiert sie; die Schlüssel funktionieren nicht mehr. Ganz egal wie viele Büromanager es gibt, es gibt nur noch ein Schlüsselloch, das intakt ist. Nur ein einziger Botenjunge kann seine Nachricht übergeben, nur ein Fahrer ein Paket zustellen.

In der Endokrinologie nennt man das Herunterregulieren. Das Arzneimittel Lupron ist wie ein Schlüssel, der eine Nachricht an die Hypophyse abgibt. Die Hypophyse reagiert, indem sie die Anzahl der Türschlösser verringert. Die Schlösser sind vergleichbar mit bestimmten Zell-Rezeptoren, deren Anzahl durch die Gabe von Lupron verringert wird.

Wenn die Funktion der Hypophyse blockiert und damit die Produktion der Sexualhormone drastisch verringert wird, führt das zum „Einfrieren“ der Pubertätsentwicklung. Mit anderen Worten: Durch die medikamentöse Behandlung mit Lupron wird die Krankheit des hypogonadotropen Hypogonadismus[13] [Unterfunktion der Keimdrüsen] künstlich hergestellt.

Ist das reversibel?

Wenn man irgendwann die Lupronbehandlung beendet, was passiert dann? In der Theorie sollten nach einer gewissen Zeit die Rezeptoren ihre normale Anzahl wieder erreicht haben; die Signalweitergabe kann wieder normal aufgenommen werden. Östrogene und Testosteron sollten dann wieder normal freigesetzt werden, die Pubertät kann weiterlaufen. Ein Schlüsseldienst hat sozusagen die 999 kaputten Schlösser repariert. Alle Botenjungen können jetzt ihre Nachricht weitergeben und alle Fahrer ihre Pakete abliefern.

Diese Vorstellung liegt hinter der Behandlung der zentral bedingten vorzeitigen Pubertät (pubertas präcox). Zentral bedingte vorzeitige Pubertät ist eine Krankheit, bei der die Pubertät sehr früh beginnt, beispielsweise im Alter von vier Jahren. Die FDA hat das Medikament Lupron für diese Krankheit genehmigt. Wenn das Kind älter ist, vielleicht elf, hört man mit der Medikamentengabe auf, damit die normale Signalweitergabe wieder einsetzt und die Sexualhormone produziert werden können. Nach weiteren 12 bis 18 Monaten wird der Körper des Kindes dann seine typische Pubertät durchlaufen.  

Was passiert aber, wenn Lupron bei ansonsten normaler Pubertätsentwicklung eingesetzt wird? Vergessen wir nicht, dass die FDA das Medikament Lupron sowie andere ähnliche Medikamente für das Blockieren einer biologisch normal verlaufenden Pubertät nie zugelassen hat. Es gibt keine randomisierten Studien für diese neue Anwendung. Die wenigen Studien, die es gibt, zeigen bereits, dass mit einer Reihe potentieller Probleme zu rechnen ist. 

Zur Pubertät gehört die Entwicklung von Knochen und Gehirn sowie die psychische Entwicklung

Bei der normalen Pubertätsentwicklung wird der Penis größer; Erektionen und die Fähigkeit zur Ejakulation nehmen zu. Es entstehen reife Spermien, die eine Eizelle befruchten können. Beim Mädchen entwickeln sich die Genitalien und reifen (auch Schamlippen, Vagina und Gebärmutter), ebenso die Brüste. Der Eisprung beginnt und bei jedem Menstruationszyklus wird dadurch eine reife, befruchtungsfähige Eizelle freigesetzt. 

Wenn die Pubertät nun durch Lupron blockiert wird, werden alle diese Veränderungen blockiert. Die Entwicklung der Genitalien wird in dem Stadium, in dem die medizinische Behandlung beginnt, „eingefroren“. Das ist alles bekannt.

Oft wird aber nicht bedacht, dass die Pubertät auch außerordentlich wichtig für die Entwicklung und Reifung des weiblichen Beckens ist und bei beiden Geschlechtern für eine normale Knochenstruktur und die Entwicklung des Gehirns. Zudem ereignen sich die körperlichen Veränderungen im größeren Zusammenhang der psychischen Entwicklung, mit der das Kind sozial immer unabhängiger von den Eltern wird.

Die Unterbrechung eines zeitlich begrenzten Entwicklungsprozesses ist nicht reversibel. Der Pädiater und Endokrinologe Paul Hruz merkt kritisch an: „Statt zu behaupten, die Unterdrückung der Pubertät sei reversibel, sollten Mediziner und Forscher sich auf die Frage konzentrieren, ob [das Kind] nach Absetzen der Pubertätsblocker die körperliche und psychosoziale Pubertätsentwicklung in einer Weise durchlaufen kann, die einigermaßen der normalen Entwicklung während der Pubertät entspricht.”[14]

Eine entscheidende Phase für die Entwicklung der Knochendichte

In der Zeit der Pubertät nehmen Knochendichte und Knochenstärke rapide zu. Die höchsten Knochendichtewerte werden mit 25 oder 30 Jahren erreicht. Danach beginnt ein langsamer Abbau. Durch die Gabe von Pubertätsblockern, die die Ausschüttung der Sexualhormone auf fast Null herunterfährt, wird dieser Prozess der Knochenstärkung gestoppt.

Sowohl das Wachstumshormon als auch die Sexualhormone sind für eine normale Knochenentwicklung in der Pubertät notwendig.[15] Pubertätsblocker unterbrechen diese Entwicklung. Sie führen auch zu einer zeitlichen Entkopplung der Ausschüttung der Hormone, deren Wirkungen in der Pubertät dann nicht mehr synchron laufen.

Wir rechnen damit, dass die Knochen von Adoleszenten, die Pubertätsblocker erhalten, nicht mehr so dicht und stabil werden wie normalerweise zu erwarten wäre.[16] Die wenigen Studien, die es bisher dazu gibt, unterstützen diese Hypothese. In einer Langzeitstudie beispielsweise wurden 39 adoleszente Mädchen untersucht.[17] Sie waren im Durchschnitt zwölfeinhalb Jahre alt, als sie mit Pubertätsblockern begannen. Zu diesem Zeitpunkt lag ihre Knochendichte auf der 40. Perzentile. Zwei Jahre später lag ihre Knochendichte auf der 3. Perzentile. Diese drastische Verringerung der Knochendichte ist nicht verwunderlich, wenn man weiß, dass die Sexualhormone eine entscheidende Rolle in der Entwicklung der Knochendichte spielen.

Ich habe die starke Vermutung, dass diese jungen Menschen ihr volles Potential an Knochendichte nie erreichen werden, denn wertvolle Zeit ist verloren, Zeit, in der Knochendichte und Knochenstärke hätten zunehmen sollen. Diese Zeit kann nicht zurückgeholt werden. Die jungen Menschen sind bezüglich Osteoporose und Knochenbrüche ernsthaft gefährdet.[18]

Entwicklung des weiblichen Beckens

Das männliche und weibliche Becken unterscheiden sich erheblich. Das Becken einer erwachsenen Frau ist so geformt, dass ein Kind den Geburtskanal passieren kann. Das ist sehr wichtig, denn das menschliche Baby hat einen großen Kopf – im Vergleich zu den Köpfen anderer Säugetiere. Die Veränderungen des weiblichen Beckens beginnen in der Pubertät unter dem Einfluss der Östrogene.[19] Bei Kindern, die die Pubertät noch nicht beendet haben, sind die Geschlechtsunterschiede zwischen Mädchen und Jungen bezügliches ihres Knochengerüsts längst nicht so ausgeprägt.

In der Pubertät weiten sich beim Mädchen Beckeneingang und Beckenausgang, das Becken bekommt eine mehr ovale Form; der Schambeinwinkel wird erheblich weiter und das Kreuzbein weniger gewinkelt, damit es dem Beckenausgang nicht im Weg steht.   

Wenn ein junges Mädchen Pubertätsblocker bekommt, wird – zusätzlich zu der im Vergleich mit den Altersgenossinnen geringeren Knochendichte – das Becken in der kindlichen Form „eingefroren“. Wir wissen nicht, ob nach Beenden der Pubertätsblocker es noch ein Zeitfenster gibt, in dem sich das weibliche Becken so entwickeln kann, dass es optimal für eine Geburt vorbereitet ist.

Ein Becken, das keine optimale Konfiguration für eine Geburt hat, ist ein Geburtshindernis und erhöht die Gefahr für Mutter und Kind. Es kann dazu führen, dass das Kind während des Geburtsvorgangs im Becken stecken bleibt, obwohl die Gebärmutter bei den Wehen normale Kontraktionen hat. Das kann zu Sauerstoffmangel beim Kind, möglicherweise bis hin zum Tod des Kindes, führen. Die Komplikationen für die Mutter sind: ein erhöhtes Infektionsrisiko, nachgeburtliche Blutungen, Gebärmutterriss, Geburtsfisteln.

Das Gehirn und die neuropsychologische Entwicklung

Die Sexualhormone sind für die Entwicklung des adoleszenten Gehirns unverzichtbar.[20] Aus der Tierforschung wissen wir, dass die Sexualhormone „eine tiefgreifende Auswirkung auf die Reifung des Gehirns und das Verhalten haben.“ Obwohl wir noch nicht genau wissen, wie die Sexualhormone die Entwicklung des Gehirns beeinflussen (das allein sollte schon ein Warnzeichen sein), so zeigen Studien doch, dass die Gabe von Pubertätsblockern zu Gedächtnisverlust, verlangsamten Reaktionen, verringertem Langzeit-Raumgedächtnis, erhöhter Depressivität und möglicherweise einer Abnahme des Intelligenzquotienten führen kann.[21]

Wie steht es mit psychiatrischen Auswirkungen? Professor Michael Biggs, Oxford Universität,  konnte sich Zugang zu unveröffentlichten Studiendaten[22] des „Tavistock Gender Identity Development Service“ in Großbritannien verschaffen. Er fand heraus, dass nach einem Jahr Pubertätsblocker (GnRHa) die Kinder mehr Selbstschädigung zeigten und die Mädchen mehr Verhaltensprobleme, emotionale Probleme und größere Unzufriedenheit mit ihrem Körper hatten. Die Pubertätsblocker verschlimmerten also die Geschlechtsdysphorie [Gender Dysphorie].

Diese Ergebnisse sollten uns nicht überraschen. Sieht man sich den Beipackzettel für Lupron an, so findet man Hinweise auf sehr besorgniserregende neuropsychologische Nebenwirkungen. Zu den berichteten Nebenwirkungen gehören emotionale Labilität, Gefühlsschwankungen, Kopfschmerzen, Nervosität, Ängste, Unruhe, Verwirrtheit, Wahnvorstellungen, Schlafstörungen und Depressionen. Im Beipackzettel werden Anbieter des Medikaments darauf hingewiesen, die Patienten hinsichtlich „Entwicklung oder Verschlimmerung psychiatrischer Symptome strikt zu beobachten. Vorsicht ist zu walten bei Patienten mit psychiatrischer Vorgeschichte.“ 

Hinzuweisen ist hier auch auf die vielen gerichtlichen Klagen gegen die Hersteller von Lupron[23] und die Berichte über invalidisierende Nebenwirkungen.[24]

Der „Pausenknopf”

Befürworter sagen, Pubertätsblocker seien einfache „Pausenknöpfe”. Mit ihnen könne die Pubertätsentwicklung angehalten werden und dann auch wieder weiterlaufen, je nach Entscheidung der Ärzte. Stimmt das?

Ohne Pubertätsblocker wird die normale Pubertätsentwicklung zu einer vorprogrammierten Zeit durch Signalgebung des Hypothalamus gestartet. Wir wissen nicht, ob das Zeitfenster, in dem die Pubertät normalerweise abläuft, sich irgendwann schließt. Wenn man also die normale Pubertät anhält, wenn das Kind zehn Jahre alt ist, und den Knopf wieder auf Start drückt, wenn es 15 ist, wissen wir nicht, ob die Signalgebung vollständig zurückkehrt. Es gibt Hinweise, die nahelegen, dass das nicht der Fall ist.  

Bei den Arzneimitteltests für Lupron – als Medikament für Endometriose bei Frauen und Prostatakrebs bei Männern –  haben die Studien gezeigt: Nach Absetzen des Medikaments ist die Hypophyse noch längere Zeit in ihrer Funktionsfähigkeit eingeschränkt.

In einer Klage[25] vor dem Obersten Gerichtshof der USA gegen die Hersteller von Lupron wird in einem Expertengutachten die Arbeit des Mediziners Dr. David Redwine zitiert, der „eine umfangreiche Prüfung der Rohdaten der befragten Personen in den klinischen Studien der Pharmaunternehmen TAP/Abbott vornahm.”[26] Was er bei der Durchsicht der internen Daten der Hersteller fand, ist ziemlich erstaunlich: „62,5 Prozent der Patienten hatten ein Jahr nach Beendigung der Lupron-Behandlung ihren Östrogen-Ausgangswert nicht wieder erreicht.“ Das bedeutet, dass bei der Mehrzahl der Frauen die Östrogenwerte auch ein ganzes Jahr nach Beendigung der Behandlung noch nicht wieder auf dem Normalniveau waren.

In einer Studie mit erwachsenen Männern[27], die Lupron für Prostatakrebs erhielten, dauerte es nach Absetzen des Medikaments im Durchschnitt 9 Monate bis die Testosteronwerte wieder im Normalbereich lagen. Bei 26 Prozent der Männer waren die Werte auch nach zwei Jahren noch nicht im Normalbereich angelangt.    

Diese Ergebnisse stellen das Argument, Pubertätsblocker seien lediglich ein „Pausenknopf“ in Frage. Wenn man bei Musik auf „Pause” drückt, geht man davon aus, dass die Musik unmittelbar weiterspielt, wenn man wieder auf „play“ drückt.  Dagegen: Wenn man auf „Pause“ bei Pubertätsblockern drückt und dann den Knopf „play” wieder bedient, kann es ein Jahr oder länger dauern, bevor die Pubertät wieder anläuft.  Bei einigen Adoleszenten kann es sein, dass die Pubertätsentwicklung gar nicht mehr anläuft, weil die Signalgebung der Hypophyse direkt beschädigt ist. Selbst wenn die Pubertät „weiterläuft“, kann es sein, dass Knochen-, Gehirn- und Beckenentwicklung sowie die psychische Entwicklung, wie oben dargelegt, nicht mehr vollständig stattfinden.

Es beginnt mit dem sozialen Leben im anderen Geschlecht

Was wissen wir genau über die begrenzte Zahl von Adoleszenten, die sich dieser experimentellen medizinischen Behandlung unterzogen haben? Wie viele der Kinder entscheiden sich tatsächlich, mit den Pubertätsblockern aufzuhören und die Pubertät wieder weiterlaufen zu lassen?

Offensichtlich nur sehr wenige. In einer niederländischen Studie[28] mit 70 Adoleszenten, die Pubertätsblocker bekamen, entschieden sich alle siebzig, mit gegengeschlechtlichen Hormonen weiterzumachen. Eine Follow-up Studie[29] zeigt, dass die Mehrheit sich dann auch „geschlechtsumwandelnden Operationen” unterzog; die Männer erhielten eine Vaginoplastik[30] [operativ aufgebaute Scheide], den Frauen wurden Gebärmutter und Eierstöcke entfernt – alle Personen waren endgültig sterilisiert.  

Ein Patient starb sogar an einer nekrotisierenden Fasziitis, ausgelöst durch eine Infektion bei der Operation. Keines der siebzig Kinder drückte den Pausenknopf der Pubertätsentwicklung, um dann den Rückweg einzuschlagen. Sämtliche Kinder rasten mit voller Geschwindigkeit weiter zu den gegengeschlechtlichen Hormonen und den chirurgischen Eingriffen, jedes Mal sich neuen Gefahren aussetzend.  

Was ich hier beschrieben habe, ist der medizinische Weg zur Sterilisation. In Wirklichkeit beginnt dieser Weg aber schon früher, wie man bei dem siebenjährigen James sieht. Er beginnt mit der „sozialen Transition“ [dem „sozialen Leben im anderen Geschlecht”].

Die soziale Transition beinhaltet, dass Eltern, Therapeuten, Lehrer und andere Autoritätspersonen die irrige Auffassung des geschlechts-nonkonformen Kindes,[31] es würde „innen drin“ zum anderen Geschlecht gehören, ununterbrochen verstärken. Durch den zwangsweisen Gebrauch eines Vornamens des anderen Geschlechts, der Fürwörter des anderen Geschlechts und durch rigide, geschlechtsstereotype Kleidung des Wunschgeschlechts erfolgt eine Art Gehirnwäsche.

Kenneth Zucker, internationaler Experte für Geschlechtsidentitätsstörungen [Geschlechtsdysphorie] bei Kindern, nennt das Ergebnis iatrogen: Die von Ärzten angeordneten Interventionen haben erst zu einer Krankheit geführt. Zucker bemerkt: „Wenn man diese Kinder durch die Adoleszenz hindurch bis ins junge Erwachsenenalter hinein verfolgt, muss niemand erstaunt sein, dass bei ihnen die Anzahl derjenigen, bei denen die Geschlechtsdysphorie bestehen bleibt [Persisters] viel höher sein wird.“[32] Ein Kind, dessen irriger Glaube bezüglich seines Geschlechts beständig durch seine Umgebung verstärkt wird, geht dann auch den nächsten Schritt zu den Pubertätsblockern. Das Kind kann die ihm innewohnende Fähigkeit, ein Erwachsener des eigenen, gegebenen Geschlechts zu werden, nicht entwickeln. Es wird vielmehr davon abgehalten.

In manchen Fällen, wie bei James Eltern, gibt es einen Elternteil, der aggressiv auf der medizinischen Behandlung besteht.[33] In vielen anderen Fällen suchen die Eltern verzweifelt Hilfe für ihr Kind,[34] werden aber von Ärzten, Therapeuten und Schulvertretern unter Druck gesetzt oder getäuscht und gedrängt, den sogenannten „affirmativen“ Weg [in Richtung „Geschlechtswechsel“] zu gehen. Sorgen der Eltern über schädliche Auswirkungen werden verharmlost, kritische Fragen werden als störend angesehen.[35] Manchmal droht man den Eltern sogar gerichtlich und nimmt ihnen das Kind weg.[36]

Verletzung der ärztlichen Sorgfaltspflicht

Die normale Pubertätsentwicklung anzuhalten, hat nichts mit Gesundheit zu tun. Pubertät ist keine Krankheit. Solches Vorgehen stellt ein unethisches medizinisches Experiment dar.[37] Es hat bekannte und unbekannte schädliche Auswirkungen auf die adoleszente Entwicklung und die menschliche Person insgesamt, und das zu einer für das gesamte Leben jeder jungen Person entscheidenden Zeit.  

Das Statement der Pediatric Endocrine Society, wonach die Wirkung von Pubertätsblockern reversibel ist, ist hochgradig irreführend. Die Jahre der Adoleszenz, in denen das normale Knochenwachstum, die normale Becken- und Gehirnentwicklung hätten stattfinden sollen, können nicht zurückgeholt werden. Es kann sein, dass die Pubertät ungewollt noch ein Jahr oder länger nach Absetzen der Pubertätsblocker „pausiert“; und es kann sein, dass sich die Hypophyse nie ganz erholt. Auch die verlorene Zeit, in der Jugendliche sich gemeinsam mit anderen Gleichaltrigen in und mit ihrem Geschlecht entwickeln und die Meilensteine ihrer psychosozialen Entwicklung meistern können, kann nicht zurückgeholt werden.

Kinder und Adoleszente, die unter einer tiefen Verunsicherung bezüglich ihres männlichen oder weiblichen Körpers leiden, brauchen einfühlsame Unterstützung. Wir wissen, dass die allermeisten Kinder mit Geschlechtsdysphorie zu „Desistern”[38] werden, aus dieser Diagnose also herauswachsen, wenn die Eltern einfach abwarten, statt zu Interventionen zu drängen.[39] Wir sollten auch wissen, dass ein hoher Prozentsatz der Kinder und Jugendlichen mit Unbehagen über ihr Geschlecht tieferliegende psychische Störungen[40] oder neurologische Entwicklungsprobleme[41] haben.  Ein geringerer Prozentsatz hat möglicherweise sexuellen oder emotionalen Missbrauch oder körperliche Misshandlung erfahren. Alle diese Probleme haben erste Priorität, was Diagnose und Behandlung betrifft.

Pubertätsblocker sind keine geeignete Behandlung für psychische Störungen und psychische oder psychiatrische Probleme. Die Daten aus der Tavistock Gender Clinic in England belegen, dass Pubertätsblocker bei vielen Kindern zu einer Verschlechterung ihres psychischen Zustands führen können. Beratung, Psychotherapie und Unterstützung, um dem Kind zu helfen, sich in seinem männlichen oder weiblichen Körper wohl zu fühlen und ihm gleichzeitig zu erlauben, eine normale Pubertätsentwicklung durchzumachen, ist die beste Behandlung.

Ich möchte die Pediatric Endocrine Society herausfordern, sich die Zeit zu nehmen, das vollständige Spektrum bekannter und möglicher schädlicher Auswirkungen von Pubertätsblockern zu untersuchen, wenn diese für das Anhalten einer ansonsten normalen Pubertätsentwicklung eingesetzt werden. Solange das nicht geschehen ist, braucht es ein Moratorium für die Anwendung von Pubertätsblockern bei ansonsten normaler Pubertätsentwicklung. Das nicht zu tun, ist Verletzung der ärztlichen Sorgfaltspflicht ersten Ranges. Es ist der Abschied vom fundamentalen ärztlichen Prinzip Primum non nocere (vor allem, schade nicht).

Über den Autor:

Michael K. Laidlaw, MD, ist internistischer Facharzt für Endokrinologie, Diabetes und Stoffwechselkrankheiten in Rocklin, Kalifornien.  

Der Originalartikel ist verfügbar bei Public Discourse: The Journal of the Witherspoon Institute unter: https://www.thepublicdiscourse.com/2020/01/59422/

Übertragung ins Deutsche und Publikation mit freundlicher Genehmigung. Februar 2020.

 

[1] FDA: Arzneimittelbehörde der USA, dem US-amerikanischen Gesundheitsministerium unterstellt. Anm. d. Ü.

[2] https://www.fox26houston.com/news/james-younger-7-to-have-texas-judge-decide-fate-amid-parents-gender-transition-battle-abbott-wades-in

[3] https://twitter.com/CoalitionKelsey/status/1189239100781584384

[4] https://www.ama-assn.org/press-center/press-releases/ama-adopts-new-policies-during-first-day-voting-interim-meeting

[5] https://www.thepublicdiscourse.com/2019/12/58839/

[6] https://www.thenewatlantis.com/publications/growing-pains

[7] https://onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1111/j.1464-410X.2009.08458.x

[8] http://www.lupronvictimshub.com/lawsuits/Klein_Amicus_Published.pdf

[9] https://academic.oup.com/jcem/article/104/3/686/5198654

[10] https://static.wixstatic.com/ugd/3f4f51_c295b2f528884acbb01fa3ac19ffb74a.pdf

[11] https://www.kelseycoalition.org/pubs/The-Rapidly-Growing-Medicalization-of-Children-and-Young-People

[12] https://www.transgendertrend.com/surge-referral-rates-girls-tavistock-continues-rise/

[13] https://medlineplus.gov/ency/article/000390.htm

[14] https://www.thenewatlantis.com/publications/growing-pains

[15] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC1724536/pdf/v036p00250.pdf

[16] https://www.healio.com/endocrinology/pediatric-endocrinology/news/print/endocrine-today/%7Ba7c5d8b2-902f-4197-a225-455bdeb93e05%7D/age-at-onset-of-puberty-predicts-adult-osteoporosis-risk

[17] https://www.endocrine-abstracts.org/ea/0058/ea0058oc8.2.htm

[18] http://theconversation.com/teens-who-hit-puberty-later-could-face-bone-health-issues-later-in-life-studies-suggest-121470

[19] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4868434/

[20] https://onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1002/hbm.21052

[21] https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/fpsyg.2017.00044/full

[22] https://www.transgendertrend.com/tavistock-experiment-puberty-blockers/ Zugang erhielt Professor Biggs durch den „Freedom of Information Act”.

[23] http://lupronvictimshub.com/lawsuits.html

[24] https://www.wsbtv.com/news/local/georgia-woman-says-drug-used-to-treat-endometriosis-led-to-series-of-health-problems/859263892/

[25] http://www.lupronvictimshub.com/lawsuits/Klein_Amicus_Published.pdf

[26] Die beiden globalen Pharmazieunternehmen TAP/Abbott haben Lupron entwickelt. Anm. d. Ü.

[27] https://onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1111/j.1464-410X.2009.08458.x

[28] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20646177

[29] https://pediatrics.aappublications.org/content/early/2014/09/02/peds.2013-2958?sso=1&sso_redirect_count=2&nfstatus=401&nftoken=00000000-0000-0000-0000-000000000000&nfstatusdescription=ERROR%3A%20No%20local%20token&nfstatus=401&nftoken=00000000-0000-0000-0000-000000000000&nfstatusdescription=ERROR%3a+No+local+token

[30] https://twitter.com/MLaidlawMD/status/1197595137167122432

[31] https://quillette.com/2019/09/24/no-one-is-born-in-the-wrong-body/

[32] https://www.researchgate.net/publication/333516085_Debate_Different_strokes_for_different_folks

Persister und Desister: Bei Kindern und Jugendlichen mit Geschlechtsdysphorie (früher: Geschlechtsidentitätsstörung) wird die große Mehrheit von ihnen im Lauf der spontanen Entwicklung die Geschlechtsdysphorie verlieren. Diese Jugendlichen verlieren den Wunsch, zum anderen Geschlecht gehören zu wollen. Sie werden als „Desister“ bezeichnet. Nur eine Minderheit behält die Geschlechtsdysphorie bei bis ins Erwachsenenalter hinein, sie werden als „Persister“ bezeichnet. Anm. d. Ü.

[33] https://www.lifesitenews.com/news/6-year-old-boy-forced-to-live-as-a-girl-while-mom-threatens-dad-for-not-goi

[34] https://www.kelseycoalition.org/pubs/Parent-Report-of-an-8th-Grade-Classroom

[35] https://eu.usatoday.com/story/opinion/voices/2019/08/12/transgender-daughter-school-undermines-parents-column/1546527001/

[36] https://edition.cnn.com/2018/02/16/health/ohio-transgender-teen-hearing-judge-decision/index.html

[37] https://www.thepublicdiscourse.com/2019/12/58839/

[38] Siehe Fußnote 32. Anm.d.Ü.

[39] https://academic.oup.com/jcem/article/104/3/686/5198654

[40]https://www.researchgate.net/publication/275046813_Two_years_of_gender_identity_service_for_minors_Overrepresentation_of_natal_girls_with_severe_problems_in_adolescent_development

[41] https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0202330